Salienz-Effekt, Veganer und Nigerianer

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Stellen wir uns vor, dass gerade ein Kind an den Folgen einer Mangelernährung starb, alle Medien berichten darüber und es stellt sich heraus, dass die Eltern das Kind vegan ernährten. Was denken Sie?

Rolf Dobelli beschreibt in seinem Werk Die Kunst des klugen Handels folgendes Beispiel: Eine Bank wird überfallen, als die Täter gefasst werden, stellt man fest, dass sie aus Nigeria stammen. Obwohl keine Bevölkerungsgruppe überproportional Banken ausraubt, erklärt Rolf, verzerrt der Salienz-Effekt unser Denken. Schon wieder diese Ausländer, schon wieder diese Veganer.

Salienz ist in der Psychologie eine Auffälligkeit, ein hervorstehendes Merkmal, etwas, das besonders viel Aufmerksamkeit erhält. Viel mehr, als es eigentlich verdient. Kurz gesagt etwas, das ins Auge springt. Man kann es sich als Blitzlicht vorstellen, das alles andere überstrahlt und unser Denken blendet. Im ersten Beispiel ist es das Attribut vegan. Obwohl wir keine Ahnung haben, wie viele nicht-vegane Eltern ihre Kinder an den Folgen einer Mangelernährung verloren haben, neigen wir dazu Vorurteile zu bilden. Die negative Annahme, dass sich das Kind laut Presse vegan ernährte und dies vielleicht möglicherweise zum Tod führte, ist salient.Dass die meisten Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren, sie gesund halten, ist für unser Denken nicht relevant.

Der Nobelpreisträger Daniel Kahneman und sein Kollege Amos Tversky fanden heraus, dass saliente Informationen beim Prognostizieren überbewertet werden. Und zwar spielt der Salienz-Effekt bei der Deutung von Vergangenem sowie auch beim reinen Spekulieren über die Zukunft eine entscheidende Rolle.

Veganer kennen sich mit Vorurteilen aus

Wer vegan lebt, trinkt keinen Alkohol, denken viele, oder ist auf jeden Fall spirituell und gar Aktivist. Sie kann nie ins Restaurant essen gehen oder eine Reise nach Malaysia machen. Im zweiten Beispiel sind es die Ausländer, die ständig nur Mist bauen und eine Bedrohung darstellen. Dass die meisten friedlich leben und eine Bereicherung für das Land sind, wird gerne vergessen.

Rolf Dobelli rät uns, nicht unserem ersten Impuls zu folgen, sondern mentale Energie zu sammeln, um gegen scheinbar offensichtliche Erklärungen anzukämpfen.

Und wie viele Nigerianer denken Sie gibt es, die keine Banken überfallen?

 

3 Kommentare

  1. Das wir Menschen irgendetwas falsch machen verdeutlicht ein Beispiel: Unserem Auto gönnen wir nur das Beste Öl, die besten Filter und díe beste Pflege. Uns selbst hingegen Nikotin, Koffein, Alkohol, fettreiche Ernährung – und alles auch noch in rauhen Mengen.
    Eine Ernährungsberatung kann da gute Tipps geben, und ist der erste Schritt in die Richtige Richtung mit dem Ziel vegan zu Leben. Aber dieser Schritt ist meistens nicht der einfachste

  2. Salienz ist überall und eine durchaus natürliche Sache. Problematisch wird es jedoch dann, wenn sie uns zur Bildung leichtfertiger Vorurteilen verführt. Dass neben der intrinsischen Manipulation noch eine externe soziale oder mediale dazukommt, macht das Ganze auch nicht gerade einfacher.
    Aber sicherlich macht es Sinn, bei solchen Entscheidungen oder Urteilen den ersten gedanklichen Impuls mit dem Verstand zu überprüfen; denn solche Schubladisierungen halten sich sehr hartnäckig im Denken fest. 😉

  3. Salienz ist überall und eine durchaus natürliche Sache. Problematisch wird es dann, wenn sie zur Bildung undurchdachter Vorurteilen führt.
    Dass es neben dieser intrinsischen Manipulation noch externe soziale oder mediale gibt, macht die ganze Angelegenheit nicht gerade einfacher.
    Deshalb ist es sicherlich sinnvoll, den ersten gedanklichen Impuls mit nüchternem Verstand zu überprüfen; denn solche Schubladisierungen halten sich ganz hartnäckig in unserem Denken fest. 😉

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